Friedrich von Thun & Roland Kuffler im Interview

14. Dezember 2015 | Kuffler Gruppe


BamS

Aus der BILD am SONNTAG vom 13.12.2015
Text: Dona Kujacinski  Foto: Frank Zauritz

"Unsere Freundschaft feiert goldenen Hochzeit"

Ein Tisch, zwei alkoholfreie Weißbiere, vier Weißwürste, Brezeln, süßer Senf. Hinter den bayerischen Schmankerln zwei gutgelaunte ältere Herren: Friedrich von Thun (73), Schauspieler, und Roland Kuffler (78), Großgastronom. Die beiden Männer sind seit fast 50 Jahren befreundet. BILD am SONNTAG traf sie in einer Bauernstube von Kufflers „Spatenhaus“ in München.

BILD am SONNTAG: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

FRIEDRICH VON THUN: Nein, weil es kein großes Ereignis in meinem Leben war. Auf jeden Fall war es in München.

ROLAND KUFFLER: Du bist vielleicht ein Freund. Es war im „Bügelbrett“. Gehörte meinem Schwager Erich Kaub und mir, war ein Studentenkabarett.

VON THUN: Ja, da bin ich auch aufgetreten. Aber ich bin mir fast sicher, das es 1966 in deinem Studentenlokal „Tangente“ war. Nächstes Jahr haben wir Goldene Hochzeit.

KUFFLER: Toll. Dann feiern wir doppelt, weil meine Frau und ich 50 Jahre verheiratet sind.

VON THUN: Um deine Doris beneide ich dich. Sie ist eine tolle Frau, unglaublich. Mit ihr hast du wirklich Glück gehabt.

KUFFLER: Ja, obwohl es nicht immer einfach war. Ich habe auch Fehler gemacht, sie oft mit unseren drei Kindern allein gelassen und dem Unternehmen den Vorrang gegeben.

VON THUN: Trotzdem hast du sie verdient.

KUFFLER: Dass deine beiden Ehen nicht gehalten haben, tut mir wirklich leid. Das hast du nicht verdient.

VON THUN: Das Alleinsein muss man akzeptieren. Wenn es ganz arg wird, habe ich ja dich.

KUFFLER: Ja, ja. Aber die Trennungen lagen nicht an dir. Ich kenne ja beide Frauen. Was sie angeht, warst du immer viel zu gutmütig. So einen Mann wie dich findet eine Frau nicht so schnell.

VON THUN: Ich hatte mit meinen beiden Frauen auch wunderbar harmonische Zeiten. Jetzt repräsentiere ich das, was man einen Lebensabschnittsmenschen nennt. Dennoch hätte ich lieber eine lange glückliche Ehe gehabt. So wie du. Darum beneide ich dich schon. Das gebe ich zu.

KUFFLER: Stell dir das nicht so einfach vor, mein Lieber. Wenn die Doris nicht so vernünftig und tolerant wäre und stets Rücksicht auf die Familie genommen hätte, wer weiß, was passiert wäre.

VON THUN: Ich hätte sie aufgefangen.

KUFFLER: Nix da. Die Doris gehört zu mir. Aber ich stelle es mir schwer vor, in unserem Alter jemand Neuen zu finden, der zu einem passt. Allein schon die Vorstellung, nachts aufzuwachen und jemand liegt neben dir, den du nicht gewöhnt bist.

VON THUN: Na, ja.

KUFFLER: Ich könnte mir auch nicht vorstellen, getrennte Schlafzimmer zu haben. Du?

VON THUN: Nein.

Haben Sie Ihren Freund in den Trennungsphasen um Rat gefragt, Herr von Thun?

KUFFLER: Hat er nicht.

VON THUN: Solche Dinge mache ich mit mir allein aus. Das nächste Mal könnte ich mir aber einen kompetenten Rat von dir holen.

KUFFLER: Auf jeden Fall.

VON THUN: Wenn wir uns treffen, ratschen wir lieber.

Über was?

KUFFLER: Zum Beispiel über Männer, die sich liften lassen und alle mit ihrem neuen Äußeren erschrecken. Wie unser gemeinsamer Freund Fritz Wepper. Ich kapier’s nicht. Er kann einfach nicht alt werden. Dabei ist er so ein hervorragender Schauspieler und Frauenversteher.

VON THUN: Das kommentiere ich nicht. Aber ich darf sagen, dass ich keinen einzigen Mann kenne, der extrem geliftete Gesichter bei Frauen schön findet. Wenn jemand in Würde und Grandezza altert, finde ich das toll.

KUFFLER: Im Prinzip hast du recht. Wir haben an der Côte d’Azur ein Haus, wohnen 500 Meter von der Bardot weg. Bei ihr muss ich ehrlich sagen, dass sie schlecht gealtert ist. Man erkennt sie kaum wieder. Das ist schade.

Sind Männer die größeren Tratschen?

VON THUN: Nein.

KUFFLER: Das hält sich die Waage. Das Geheimnis einer guten Freundschaft ist doch, dass man Vertrauliches für sich behält. Wie war das damals doch gleich mit Catherine Deneuve?

VON THUN: Mit ihr habe ich 1965 den Episodenfilm „Liebeskarussell“ gedreht und in einer Vollmondnacht ist sie in mein Bett gestiegen.

KUFFLER: Oh!

VON THUN: Was heißt hier Oh! Es war mein Filmbett. Aber von der Deneuve unbeeindruckt zu sein, das ist schon schwer.

KUFFLER: Lebt sie noch?

VON THUN: Klar.

Es klopft. Stephan, der älteste Kuffler-Sohn, sagt „Grüß Gott“, bespricht sich kurz mit dem Vater. Als er weg ist, sagt Kuffler, dass Stephan bald fünfzig wird.

Sie, Herr von Thun, haben zwei Kinder. Sie, Herr Kuffler, drei. Was sind Sie für Väter?

KUFFLER: Ich glaube, der Friedrich, ist ein ganz guter Vater. Auf jeden Fall ein besserer als ich.

VON THUN: Du bist ein super Vater.

KUFFLER: Nein, Friedrich, nein, nein, nein.

VON THUN: Okay, okay. Du möchtest dein Unternehmen nicht aus der Hand geben, du möchtest immer noch der Versorger sein, der Patriarch. Ich verstehe das. Du hast das Unternehmen gegründet und aufgebaut. Und weil du weißt, wie schwer das ist, ist es manchmal nicht einfach für dich, deinen Söhnen freie Hand zu lassen. Das ist bei mir anders. Ich habe kein Reich zu verteidigen und weiß, dass meine Kinder ihre Sache gut machen.

KUFFLER: Ich habe Angst, meine Kinder machen Fehler. Das kann in meinem Fall das Unternehmen ankratzen. Dabei machen beide ihre Sache toll, und mir  ist klar, dass ich die Zeit verpasst habe, meine Firma zu übergeben. Doch was soll ich machen? Ich kann keine Sportart, ich kann nur arbeiten und organisieren.

VON THUN: Und ich kann nur schauspielern.

KUFFLER: Meine Frau ist ein großer Fan von dir, und ich schaue auch zu, wenn ich Zeit habe. Neulich habe in der Zeitung gelesen, dass der Erol Sander Türke ist. Wusste ich gar nicht.

VON THUN: Was hat der jetzt mit mir zu tun?

KUFFLER: Der ist auch nicht schlecht. Aber du bist besser, überhaupt nicht verkünstelt, sondern sehr authentisch. Du nimmst ja auch keine Rollen an,  die nicht zu dir passen. Oder wegen des Geldes. Richtig?

VON THUN: Ich habe das Glück, dass ich mir die Sachen aussuchen kann. Das ist wichtig, da man sonst leicht in eine Schublade rutscht, in der man  nicht stecken will. Und ich könnte mir, wie du, auch nicht vorstellten, meinen Beruf an den Nagel zu hängen. Aufhören ist fürchterlich. Ein kleiner Tod.

Was schätzen Sie aneinander?

KUFFLER: Der Friedrich ist, wie er ist. Nicht hintenrum. Ein Herr. Ich bin auch so.

VON THUN: Ein Freund muss ein Mensch sein, der einem auch im Charakter entspricht. Und ich muss ihm vertrauen können. BeiRoland kommt hinzu, dass ich  allergrößten Respekt vor seiner Leistung, seinem Erfolg habe. Jedes Mal wenn ich ihn treffe, hat er ein neues Lokal, ein neues Hotel eröffnet. In New York, Salzburg oder sonstwo. Ich weiß überhaupt nicht, wie dieser Mensch das macht. Manchmal denke ich: Hoffentlich übernimmt er sich nicht.

KUFFLER: Keine Sorge. Meine Gesundheit ist stabil. Was ich an Friedrich schätze, ist, dass er kein Angeber ist, seine Leistung nicht an die große Glocke hängt. Menschen, die das tun, haben keinen guten Charakter. Bescheidenheit, Fleiß und Verschwiegenheit sind für mich in einer Freundschaft ganz wichtig.

Gibt es irgendetwas, das Sie aneinander nicht mögen?

VON THUN: Nein.

KUFFLER: Wir streiten auch nicht. Ist Zeitverschwendung und macht schlechte Laune.

Gibt es wenigstens etwas, das der andere noch lernen könnte?

VON THUN: Stören tut mich vielleicht, dass der Roland manchmal so schnell spricht, dass ich ihn kaum verstehe.

KUFFLER: Ich würde nie sagen: Du musst das so oder so machen. Aber ich wünsche dir, dass du in deinem Alter noch mal eine Frau findest, die dich glücklich macht.

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